Die Sport- und Rechtswissenschaftlerin Katarina Pijetlovic von der Technischen Universität Tallinn in Estland bezichtigt die Veranstalter der größten Tennisturniere des Betrugs. Statistische Auswertungen, die Pijetlovic vornahm, belegen: Roger Federer und Rafael Nadal bekamen bei Grand-Slam-Turnieren jahrelang immer wieder ausgerechnet jene Gegner zugelost, gegen die ihre Gewinn-Bilanz besser ist.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Halbfinals legal ermittelt wurden, sei 131.072 zu 1: „Die Frage ist nicht, ob manipuliert wurde, sondern wie und wer dahinter steckt“, sagte Pijetlovic ZEIT ONLINE.

Deutsche Statistik-Experten halten Pijetlovic’ Berechnung für seriös. Rainer Dyckerhoff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie der Universität Köln, sagte ZEIT ONLINE: „Die Ergebnisse der Auslosungen sind sehr untypisch. Ein Zufall ist sehr unwahrscheinlich.“

Gründe für eine Vorzugsbehandlung von Federer und Nadal gäbe es genug, so Pijetlovic: „Für Veranstalter und Sponsoren sind die Grand Slams die lukrativsten Turniere überhaupt.“ Als Federer und Nadal in diesem Sommer in Paris spielten, schalteten in den USA so viele Zuschauer ein wie zuletzt in den Neunzigerjahren.

Der Sprecher des Wimbledon-Turniers, Johnny Perkins, sagte ZEIT ONLINE, dass er die Vorwürfe „für Nonsens“ halte. Bill Babcock, Mitglied im exklusiven Grand-Slam-Komitee, nennt die statistischen Auswertungen „Behauptungen“, die „falsch und möglicherweise rechtlich anfechtbar“ seien.

Zwischen 2008 und 2011 waren die Halbfinal-Auslosungen in Melbourne, London und New York in allen Fällen identisch: Federer sollte auf Novak Djokovic treffen, Nadal gegen Andy Murray spielen. Federer und Nadal konnten so regelmäßig die Finals erreichen, ohne vorher gegen ihre Angstgegner antreten zu müssen.

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