Deutschland gegen England also. “Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes, and at the end the Germans always win”, sagte der englische Fußballer Gary Lineker, nachdem England bei der WM 1990 in Italien gegen Deutschland im Halbfinale nach Elfmeterschießen ausschied. “For you Fritz, ze Euro 96 Championship is over”, lautete die Schlagzeile des britischen Boulevard-Blattes “Daily Star” zur Fußball-EM 1996. Nicht schlecht, tun sich doch viele Deutsche immer noch mit dem britischen “th” schwer. Nicht aber mit dem Elfmeterschießen. Wieder trafen England und Deutschland im Halbfinale aufeinander. Und wieder gewann Deutschland: 5 zu 6 i.E Hier.

Seit die WM 2010 in Südafrika begonnen hat, tönen englische Spieler und Funktionäre: “Überlasst uns Deutschland.” Warum auch nicht? Irgendwann muss es ja mal klappen. Ich drücke Deuschland die Daumen, aus diversen Gründen. Der Begeisterung meiner Kinder kann ich mich nicht entziehen, das Spiel gegen Australien war klasse, als Werder-Fan erfreue ich mich an Özil, Marin und – naja, schon auch – Mertesacker. Und ich bin England-Fan, lange schon, spätestens aber seit der “Daily-Star”-Schlagzeile: “For you Fritz, ze Euro 96 Championship is over”. Da steckt so viel Liebe drin und so viel Hass und so viel Spiel und so viel Ernst. Für England zu sein, bedeutet die englische Streit- und Provokationskultur zu mögen – inkl. der wiederkehrenden Sommerberichterstattung über Handtuchkriege auf Mallorca.

Die Schriftstellerin Karen Duve hat in ihrem Roman “Dies ist kein Liebeslied” diese englische Streit- und Provokationskultur festgehalten, beschrieben am Beispiel der Fußball-EM 1996 in England vor dem entscheidenden Halbfinalspiel. Ein Auszug: “‘WATCH OUT YOU GERMAN SAUSAGES. TONIGHT EL TEL’S BOYS ARE GOING TO SHOW YOU WHAT IT MEANS TO GET A GOOD KICKING IN THE STRUDELS.’ Die rechte Hälfte der ‘DAILY STAR’-Titelseite ist für eine halbnackte Blondine mit stark geschminkten Augen und einem Löwen-Wappen auf der Unterhose reserviert. (…) ‘HANS OFF, FRITZ! steht auf der Schulter der Blondine. Das Pin-up für die Deutschen finde ich dann auch sofort auf Seite 3. Sie ist ungefähr so dick wie ich, und sie trägt eine billige hellblonde Gretchenperücke, einen großen fleischfarbenen, angegrauten BH und eine bayerische Lederhose mit selbstgebastelten Hosenträgern aus bemalten Stoffstreifen. Ihre Waden sind in Knobelbecher geschnürt. In der einen Hand hält sie ein merkwürdiges Henkelglas, das mit etwas englischer Phantasie für eine Maß Bier durchgeht. In der linken Hand hält sie einen ganzen Laib Brot, der wie ein Brötchen aufgeschnitten und gebuttert und mit einer ganzen Fleischwurst belegt ist. Darunter steht: ‘MEIN GOTT! SHE MAY LOOK LIKE YOUR WURST NIGHTMARE: BUT TODAY YOUR FAIR PLAY DAILY STAR STRIKES A BLOW FOR ANGLO GERMAN ACCORD BY PROUDLY PRESENTING OUR VERY FIRST PAGE FRAU GIRL: LEDERHOSEN LOVELY BRUNHILDE GROSSENTITTI BOOBS MIGHT NOT SEEM SO WUNDERBAR TO REGULAR READERS THOUGH SHE IS A HUN-EY.'”

Leute, kauft und lest dieses Buch! Leute, was freu ich mich auf das Spiel am Sonntag (und auf die Vorberichterstattung)!

Karen Duve: Dies ist kein Liebeslied.

Kommentare

Comments are closed.

blogoscoop