Die jüngsten Enthüllungen über angebliche Spielmanipiulationen im Fußball gehören zu den sportlichen Top-Themen der Woche.
Doch wenn man genau hinsieht, kommen dann doch Zweifel, ob denn wirklich alles so sein kann, wie Autor Declan Hill es darstellt.


[aartikel]3462040677:right[/aartikel]1. Brasilien gewinnt bei der WM 2006 gegen Ghana

Wieso sollte jemand dieses Spiel so manipulieren wollen, damit Brasilien gewinnt? Auf dem Papier war Brasilien definitiv Favorit, vor allem bei Wettanbietern. Da kommt es nämlich nicht nur auf die augenblickliche Spielstärke an, sondern auch darauf, was der Name verspricht.
Man muss als Buchmacher eben auch kalkulieren, wie viel Geld wahrscheinlich auf welchen Ausgang gesetzt werden wird, neben der Berechnung, wer wahrscheinlich das Spiel gewinnt. Warum also ein Spiel manipulieren, um mit der niedrigeren Gewinnquote zu wetten? Ein Sieg Ghanas oder ein Unentschieden wäre sicher deutlich lukrativer gewesen.

2. Warum ein Bundesligaspiel manipulieren, wenn es auch die Regionalliga tut?

An der großen Bekanntheit der Bundesliga kann es nicht liegen – in Asien schaut man die englische Premier League. In der Winterpause 2007/2008 waren die Bundesligavereine aus Cottbus, Bielefeld und Dotmund als Werbeträger nach Asien geschickt worden. Glaubt denn wirklich jemand man könne mit Energie Cottbus oder Arminia Bielefeld Werbung machen, wenn sich auch nur ein paar Leute dort mit der Bundesliga auskennen würden? Regionalligaspiele haben auch keine anderen Wettquoten, sind wohl deutlich billiger zu manipulieren und die Beteiligten kennt man sowieso nicht. Warum also Bundesliga?

3. Hill hat Fotografien (sagt er)

Er zeigt sie aber nicht, das sei zu gefährlich. Es sei denn natürlich, ihm oder seiner Familie würde etwas zustoßen.
Namen von ghanaischen Fußballern zu nennen ist jedoch offensichtlich vollkommen ungefährlich. Doch würden irgendwelche Fotos von Damba und einem Asiaten in der Lobby eines Hotels auch nur irgendetwas beweisen? Man müsste ja immer noch Hills Aussage, dass dieser Asiate wirklich, auf jeden Fall und hundertprozentig ein Wettpate ist, glauben.

4. Welchen Grund hat der asiatische Wettpate auszupacken?

Der Mann muss ja einen Grund haben, Hill diese ganzen Informationen zu geben, ihn bei angeblichen Telefonaten, bei denen Manipulationen klar gemacht werden, teilhaben zu lassen. Ihn am Nebentisch zu positionieren, wenn er sich mit wichtigen Kontaktleuten trifft. Ihn dabei Fotos machen zu lassen, deren Veröffentlichung nun allerdings zu gefährlich ist, obwohl nur der mit Informationen so freimütig umgehende Wettpate selbst und der namentlich im Buch genannte Abukari Damba zu sehen sind. Findet der Pate seine drei Telefone zu anstrengend oder hat er gar eine Wette laufen, dass so ein Buch erscheint und er trotzdem im Geschäft bleibt? Ziemlich unwahrscheinich.

5. Declan Hill hat das alles nicht so gemeint.

So verkündete er am 1.9. auf seiner Buchpräsentation in Berlin “Ich bin falsch zitiert worden” und “Ich habe nie gesagt, Bundesliga- oder WM-Spiele seien manipuliert worden”. Außerdem habe er nur Indizien – keine Beweise.

Klar ist, dass es Spielverschiebungen in Hinblick auf Wetten gab, wahrscheinlich gibt und grundsätzlich auch geben kann. Nur ob Declan Hills Geschichte so stimmt, ist nicht unbedingt gesagt.

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